Vehicle Dynamics International
Es gab auch 2010 wieder eine faszinierende Auswahl an neuen Technologien, die von einigen der weltweit führenden Lieferanten von dynamischen Fahrwerkprodukten und Dienstleistungen auf der Vehicle Dynamics Expo 2010 ausgestellt wurden.
Gleich neben dem Open Technology Forum erregte der schicke neue Stand der BMI Group viel Aufmerksamkeit. Das früher zu Delphi gehörende Unternehmen genießt das Leben unter chinesischer Führung und die damit einhergehende finanzielle Sicherheit, die in den vergangenen Jahren nicht vorhanden war. Das bedeutet für die Ingenieure im französischen Technikzentrum, dass sie sich ganz der Entwicklung innovativer neuer Produkte widmen können. Davon gab es gleich zwei, die auf der Expo zu Diskussionen anregten und die beide innerhalb der nächsten zwei Jahre in Produktion gehen sollen: den aktiven Zweikanal-Stabilisator und die dritte Generation der adaptiven Dämpfer des MagneRide-Systems. „Dies sind die besten Systeme ihrer Art auf dem Markt und so soll es auch bleiben“, versprach BWIs Leiter der Abteilung Advanced Engineering, Nick Jones. Er fügte hinzu, dass China der wichtigste Markt für das zukünftige Wachstum des Unternehmens sei und ist der Auffassung, dass in den nächsten Jahren BMIs fortschrittliche Fahrwerkstechnologien in viel mutigeren neuen Fahrzeugkonzepten umgesetzt werden, als man von etablierten, westlichen Erstausrüstern gewöhnt ist.

Am Stand von Tenneco herrschte besondere Begeisterung über die Entwicklung der zweiten Generation des beliebten permanent elektronisch geregelter adaptiven Dämpfungssystems (CES-ADS). CES 2, wie das System genannt wird, bietet verbesserte Leistung – besonders was Fahrkomfort und Geräusch- und Vibrationsentwicklung angeht. Dies ist einem externen Paket zu verdanken, das mit dem momentanen Dämpfer identisch ist und damit die Umstellung für die Erstausrüster minimiert. Auch bei diesem Projekt hat Tenneco bei den Servoventilen für das System mit Öhlins zusammengearbeitet und eine erfolgreiche Partnerschaft aufgebaut: Die Verkaufszahlen der CES-Systeme werden ab 2013 eine Million pro Jahr überschreiten. 2013 wird auch die Produktion der CES 2-Systeme beginnen, die von den Kunden schon vorbestellt wurden. 2014 wird dann zum ersten Mal eine Variante mit einem internen Ventil vorgestellt, das CES 3.
Während bei der Weltmeisterschaft die letzten Gruppenspiele den Mannschaften nicht nur Grund zur Freude bescherten, gab es von Conti auf dem Automobilmarkt 2010 dennoch Grund zum Jubeln: Luftfedersysteme von Conti sind immer häufiger die erste Wahl für die Fahrzeugausrüstung, berichtete Dr. Andreas Rohde, Leiter Luftfedersysteme, und die Nachfrage ging bisher in diesem Jahr weit über das erwartete Maß hinaus, so z.B. bei der BMW 7er Serie. Dieser positive Trend wird vermutlich noch durch die Markteinführung des neuen Jeep Grand Cherokee verstärkt, in den Contis Luftfedersystem im Paket mit passiven Dämpfern eingebaut wurde - mit dem Schwerpunkt auf gute Leistung im Gelände. Die Luftfederung des Jeeps wird in den Vereinigten Staaten in Morganton, North Carolina, montiert, mit Komponenten aus den USA, den Philippinen und Deutschland. „Für uns ist es ein großer Schritt, auf diesem Markt Fuß zu fassen“, so Rohde, der auch darauf hinwies, dass die Ausweitung des Angebots auf Jeep Continentals Kundenstamm für Luftfederungen erweitert, der bis jetzt auf Europa konzentriert war. Er betonte, dass eine stärkere lokale Beschaffung und Komponentenmontage vor Ort – zum Beispiel der Kompressoren – den deutschen Tier-1-Zulieferer in Zukunft noch wettbewerbsfähiger in Nordamerika macht.
Samtech, Experte für Simulationssoftware, war auch in 2010 wieder auf der Vehicle Dynamics Expo und wollte die Messe nutzen, um seine für 2010 geplante Kundenstammerweiterung zu fördern. Das Unternehmen berichtete, dass auf der Messe potenzielle Geschäftspartner aus dem Nahen Osten und Nordafrika Interesse gezeigt hätten. Der stellvertretende Geschäftsführer Peter Trost glaubt, dass solche Regionen, in denen die Konkurrenz noch kaum etabliert ist, einen lohnenden Markt für Samtech darstellen könnten. Zu Samtechs Kunden zählen mittlerweile Daimler, BMW, PSA und Toyota. Besonders das Samtech Produkt TEA Pipe genießt das Interesse der Fahrwerksingenieure aufgrund seiner Fähigkeit, flexible Kabel und Schläuche, wie etwa Bremsleitungen, zu simulieren.
Als Bewegungs-
simulationsspezialist hat Cruden eine Vielzahl an neuen Entwicklungen vorgestellt. Zu den Gesprächsthemen am allseits beliebten Stand – wo die Besucher in diesem Jahr die Nordschleife an einem der neuesten Hexatech IV Simulatoren der Firma ausprobieren konnten – gehörte der neu erschienene externe Physics Plug-in, der als EPhysE bezeichnet wird. Diese Version ermöglicht es Zulieferern von Lenksystemen, Bremsen, Reifen oder Fahrwerkelektronik, ihre MATLAB Simulink-Fahrzeugmodelle automatisch mit dem Simulator zu verknüpfen. Zu den weiteren Neuigkeiten von Cruden gehörte die Präsentation eines 3CTR Hexatech-Dreisitzers – mit dem Ingenieure oder Manager neben Testfahrern sitzen können – und die Mitteilung, dass die Forschungs- und Testeinrichtung VIPER am Virginia International Raceway einen zweiten Hexatech ausliefern soll, diesmal mit einem PKW-Cockpit-Design.
Wie gewohnt war das Open Technology Forum mit kostenloser Teilnahme wieder ein Besuchermagnet auf der Vehicle Dynamics Expo. Zu den Höhepunkten zählte ein gemeinsamer Vortrag von Porsche und Continental zum Luftfederungssystem des Panamera. Interessierte konnten sogar einen Blick auf einen echten Panamera werfen, den Conti vor dem Messeeingang geparkt hatte! Das Thema Federung stand auch im Mittelpunkt des Vortrages von Koen Reybrouck, der Tennecos ACOCAR-Forschungsprogramm zur aktiven Federung vorstellte, das erst kürzlich in einem Demonstrationsfahrzeug von Tenneco eingesetzt wurde. Das Unternehmen betont den niedrigen Stromverbrauch dieses Systems von ca. 100 W pro Kurve.
Währenddessen stellte SKF, der offizielle Lieferant von Scuderia Ferrari, eine Auswahl an innovativen Produkten auf seinem Stand vor, bei denen die Gewichts- und Reibungsverringerung im Mittelpunkt steht. Darunter war das Radnabengelenkmodul, das in vielen leistungsstarken Sportwagen bereits zum Einsatz kommt und jetzt für einen möglichen Einsatz von einem großen asiatischen Erstausrüster in Betracht gezogen wird, so Ronnie Spolidoro, verantwortlich für die Geschäftsentwicklung im Automobilbereich bei SKF. Zu den weiteren Produkten, über die er mit den Besuchern des Standes sprach, gehörte die Low Friction X-Tracker-Radnabeneinheit und insbesondere ihr kluges Dichtungskonzept, wodurch höhere Leistungen bei geringerer Reibung als bei früheren Versionen erreicht werden. Es wird bereits für Radnaben auf dem US-Markt eingesetzt und wird nun auch für einige deutsche Hersteller in Serie gefertigt.
ArvinMeritor war bei der Messe 2010 wieder dabei. Nachdem sich die Firma aus dem Massengeschäft von PKW-Karosserieteilen mit niedrigen Margen zurückgezogen hat, konzentriert sie sich jetzt auf die neuesten Fahrwerkssysteme und besonders auf fortschrittliche Maschinenbauprodukte – pneumatische, hydraulische oder hybride – die in Halle 3 im Mittelpunkt stehen. Jon Honig, Leiter der Steuerungs- und Entwicklungsabteilung, erklärte, dass die Kunden neben der kompletten Luftfederung oder den angebotenen adaptiven Dämpfungssystemen von den Steuerungsalgorithmen von ArvinMeritor fasziniert waren, die in einigen Fällen kundenspezifisch an vorhandene Stellglieder für elektronisch gesteuerte Aufhängungssysteme angepasst werden. Das Unternehmen hat auch seine Erfahrungen bei fortschrittlichen Systemen für den PKW-Markt wirksam eingesetzt, um Anwendungen im Zivil- und Militärbereich zu entwickeln und Hybridantriebe für LKW, wie z.B. den großen Class-8-Antriebsstrang, der am Stand präsentiert wird.
